Philosophisches

Freitag, 26. Juni 2009

Der Satz vom ausgeschlossenen Dritten und Zensursula

Unsere geliebte Regierung hat ja nun beschlossen, schon ein wenig länger her, Stoppschilder vor Inhalte zu setzen, die vom BKA als illegal weil Kinderpornographisch eingestuft werden. Find ich schwachsinnig, aus vielen Gründen, die überall im Netz nachzulesen sind. Keiner dieser Gründe hat etwas damit zu tun, das KiPo nicht bestraft werden müsste. Ich mag Sie auch garnicht mehr aufzählen.

Einen weiteren Grund sehe ich darin, das ja nun keine Abstufung gegeben werden kann, wann denn nun ein Inhalt der nackte Menschen darstellt, Kinder- oder überhaupt Porno sei. Oder gar Kunst.

Ist die Darstellung von Geschlechtsverkehr in einem Erotischen Kontext schon Pornographisch? Sind nackte Kinder/Jugendliche oder Menschen, die "so tun als ob" per definition Schweinkram? Wird FKK verboten?

Eine Regelung, die sowas beurteilen sollte, müsste davon ausgehen, das es nur ein "entweder/oder" im Sinne einer streng dualen Logik gibt. Das ist aber, bezogen auf Kunst und Moral nicht so, und weder das BKA noch unsere Regierung halte ich für Philosophen, Kunstexperten oder Leute, die über sowas nachdenken. Oder gar darüber urteilen sollten, ob das, was Sie für moralisch verwerflich halten, ein Massstab für die Allgemeinheit sein sollte. Nehmen wir mal den Irak oder sonstirgendeinen Wirrer-Fusselbart-Staat: Da ist unmoralisch, wenn Frauen überhaupt irgendwo zusehen sind. Währed z.B. viele ...hmmm... sagen wir, "Naturvölker" das konzept von "Scham" kaum in bezug auf Nacktheit definiert haben.

Wenn also verschiedene Massstäbe auf einen Sachverhalt anwendbar sind, sollte man nicht als Staat ein objektives Kriterium für die legalität/illegalität in Bezug auf Moral anwenden? Ich wäre für eine Regelung, die denjenigen bestraft, der anderen Schaden zufügt. Geschadet wird den Opfern durch Missbrauch und Veröffentlichung, wie bei jeder art von Porno/Missbrauch - seien es nun Kinder oder nicht. Aber das PRINZIPIELL die Darstellung, ob zeichnerisch, fotographisch oder literarisch als zensurwürdig betrachtet wird, ist quatsch.
Grass (Blechtrommel - hier die szene mit Katharina Thalbach, bild Nr. 4 im verlinkten Artikel)?
Zille?
Nabokov (Lolita - man betrachte das Cover!)?
Urlaubsbilder? Teenager-Kritzeleien, wie das Eibensang beschreibt?
Oder fängt das bei Franz v. Bayros oder E.H. Avril an?
Bei Putten in den Katholischen Kirchen?

Ist Bouguereau illegal? Also, das hier Bspw.:?
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Ich meine, die Sau hat doch was vor!

(PostScriptum: Das Bild von W.A. Bouguereau stellt Amor/Cupido und Psyche als Kinder da, eine Geschichte, die im "Goldenen Esel" von Apuleius erzählt wird. Bouguereau gilt als Meister des Akademischen Klassizismus und des Klassischen Realismus. )

PostPostscriptum: Und weil das ganze Thema so schwachsinnig ist, das es brummt, was das nun auch definitiv der letze Beitrag über sowas. Sollen sich doch die ganzen anderen Leute den Mund fusselig reden, wie im ebenso blödsinnigen wie inhaltsleeren Gespräch zwischen uschi und franzi in der "ZEIT".

PostPostPostScriptum: Mutzenbacher-Entscheidung

Und ein Allerletzter: Ich komme mir echt bescheuert dabei vor, das es unbedingt (Kinder)Porno sein muss, um das mal wieder eine Schwachsinnige Verbotsdisskussion geht, was man denn nun schreiben/sagen/veröffentlichen darf und was nicht. Ich bin kein Befürworter von sowas, ob es nun um Bombenbasteln, Terrorismus, Sex, Gewalt, Tiere, oder was man sich sonst noch skandalöses ausdenken kann. Mir gehts, ganz allgemein, um Zensurmechanismen, und ich fühle mich gerade moralisch zensiert, weil irgendjemand nun denken kann, ich wäre für die Verbreitung von KiPo, Bombenbauanleitungen oder WWIW.

Mittwoch, 17. Juni 2009

ataraxie

eigentlich sollte man sich immer wieder in buddhistischer (oder zen´iger) gelassenheit und achtsamkeit und sowas üben. vor allem "gelassenheit" und "ungerührtheit".

das konzept der "ungerührtheit /unerschütterlichkeit" (bekannt als "ataraxie") hatten schon die griechischen philosophen, genauer gesagt, die epikuräer. der mensch soll sich einfach nicht so aufregen (bzw. aufregungen vermeiden) und sich von diesen ganzen schmerz/lust geschichten frei machen, um "autark" zu werden. das moderne wort "autark" bedeutet "selbstständigkeit", epikuräisch ist das wohl eher so zu verstehen, das ein mensch, der "seelenruhe/ataraxie" erreicht hat, fast automatisch "autark", also, unabhängig von den wirrungen des lebens ist.

finde ich recht buddhistisch, so. ist aber eher von pyrrhon, seines zeichens "skeptiker" (würde sich seine lehre nur auf das religiöse beziehen, wäre pyrrhon "agnostiker"):

Pyrrhon:Zum Begründer der Skepsis bzw. des philosophischen Skeptizismus wurde er durch die von ihm vertretene Ansicht, dass der Wahrheitsgehalt weder unserer Sinneswahrnehmungen noch unserer Urteile eindeutig feststellbar sei. Aus diesem Sachverhalt folgt für Pyrrhon, der Weise müsse sich jeden Urteils enthalten (die sog. Epoché). Das ethische Ziel dieser Haltung besteht in der Seelenruhe (Ataraxie), in der nach Pyrrhon die einzige erreichbare Glückseligkeit (Eudaimonie) besteht.

hach, sowas halt. also: einmal "meeresstille der seele", herr ober!

aber es fällt auch schwer, sich nicht aufzuregen oder nicht "hedonistisch" zu sein.
ob es besser ist, wenn man ungerührt ist?
oder doch lieber emotional?

Postscriptum: Blöder Text. Bin nicht so geschreibig in letzter Zeit.

UN-Lust
Epikur
agnostizismus

Dienstag, 2. Juni 2009

wahrheit 3: können "objektiv falsche" annahmen nützen?

das ist mal eine frage.

das dinge, von denen ich nicht sagen kann, ob sie "richtig oder falsch" sind, einen positiven effekt haben können, ist unbestritten, denke ich - sagen wir, homöopathie, oder religion: wissenschaftlich unerwiesen, aber anscheinend funktionierend. aber "unwahres"?

gerade habe ich bemerkt, das ich zwischen "wahr und unwahr" und nicht zwischen "richtig und falsch" unterscheiden muss. richtig ist, was seinen zweck erfüllt. das ist aber nichts "wahres" im sinne der philosophie. es ist beispielsweise richtig, zum gießen wasser zu benutzen. das wort "wahr" oder "wahrheit" hat in einem solchen satz nichts verloren. es ist nicht "wahr/unwahr, zum gießen wasser zu verwenden". wahr kann allerdings der satz "ich giesse richtigerweise mit wasser" sein. ist ein semantisches problem, das ganze. "das einzig wahre zum giessen ist wasser". so, nun hab´ ich mich selbst verwirrt. hier spielen mir anscheinend bedeutungsebenen von worten einen streich.

muss ich mal drüber nachdenken, über den "nutzen des falschen/unwahren". ich stelle es mir schwer vor, mit einem "falschen" medikament zu heilen, sagen wir, ich gebe antibiotika bei kopfschmerzen. aber mit einem "unwahren", wie einem placebo, ist das schon möglich. semantik, semantik.

Montag, 1. Juni 2009

Wahrheit 2

woran sich gleeich die philosophische frage hängt, was denn "wahrheit" sei....

wahrheit 1

wikiwahrheit

happig.

also, bspw. ist ein mathematischer satz dann wahr, wenn er innerhalb seiner axiome nicht zum widerspruch führt, was gleichbedeutend damit ist, das er eine tautologie ist (wahr = wahr)

grausam.denn damit ist genau das wahr, was wir als wahr festgelegt haben. physikalisch ists - hab´ich den eindruck - nicht viel anders, nur das wir "da draussen" -- also, ausserhalb unseres kopfes -- noch die möglichkeit haben, unsere gedanken am experiment zu überprüfen. (soll heissen, ich kann zwar feststellen, das eine aussage "falsch" ist, aber nie, ob sie "wahr" ist...) aber wo finde ich spirituelle wahrheit?

mal angenommen, ich bin kein atheist oder agnostiker, der einfach sagt, spirituelle aussagen sind solche, die nicht über wahrheitswerte verfügen. dann muss ich doch entweder eine (innere/äußere) methode haben, analog der 'widerspruchsfreiheit der logik' oder dem 'experiment der physik', um "wahrheit" belegen zu können.

kann ich aber irgendwie nicht. so, ganz persönlich. eigentlich würde ich sagen, wahr sind dinge, die meinem seelenleben entsprechen, aber dann wären ja für verschiedene personen verschiedene spirituelle aussagen wahr, was irgendwie das ganze 'ad absurdum' führt, denn dann wirds beliebig, und nicht wahr. ich kann auch nur schwer ein experiment machen, und, sagen wir, über ein pendel den wahrheitswert eines gottes zu erpendeln (obwohl, sollte man vielleicht mal machen....)

also, wenn ich mir den wikipediaartikel durchgucke, bin ich da wohl irgendwie "postmodern-romantisch":

postmodern:
Philosophen der Postmoderne weisen den Gedanken einer einzigen Wahrheit als Mythos zurück (Gilles Deleuze: „Die Begriffe Wichtigkeit, Notwendigkeit, Interesse sind tausendmal entscheidender als der Begriff der Wahrheit.“). Dabei geht es nicht darum, dass Naturgesetze angezweifelt würden (siehe dazu auch Schrödingers Katze), sondern um die Frage, ob es nicht vielerlei Sichtweisen geben kann, und ob Wahrheiten abhängig von kulturellen Entwicklungen sein können, mit anderen Worten, ob Wahrheiten als Konstruktionen innerhalb einer Kultur angesehen werden können.

romantik
Die Romantiker haben eine ganz andersartige Auffassung der Wahrheit. Für sie ist diese eine dem Menschen verschleierte, bzw. schwer zugängliche Welt, die parallel zu unserer Wirklichkeit existiert. Des Dichters, oder des Künstlers Aufgabe ist es, den anderen Menschen diese Welt zu offenbaren; nur er allein kennt das „Zauberwort“, das die Welt zum „klingen“ bringt. Die romantische Wahrheit findet man in sich selbst, oder im Einklang mit der Natur. Es ist eine stille, eine einsame Erfahrung, und die Sehnsucht danach zeichnet den Romantiker aus. In einer Zeit, in der Revolution und Restauration sehr schnell aufeinander folgen, sucht er außerhalb der Gesellschaft in der Natur seine eigene persönliche Wahrheit.

und, andererseits, gibts auch die "wahrheit über bauchmuskeln":

bauchmuskeln
By WirrLicht

Donnerstag, 26. Februar 2009

Wahrheit

„Zu sagen nämlich, das Seiende sei nicht oder das Nicht-Seiende sei, ist falsch, dagegen zu sagen, das Seiende sei und das Nicht seiende sei nicht, ist wahr. Wer also ein Sein oder Nicht-Sein prädiziert, muss Wahres oder Falsches aussprechen.[1]
[…] Nicht darum nämlich, weil unsere Meinung, du seiest weiß, wahr ist, bist du weiß, sondern darum, weil du weiß bist, sagen wir die Wahrheit, indem wir dies behaupten.[2]“


Sagt Aristoteles auf Wikipedia. Demnach postuliert er, das "Wahrheit" direkt mit dem "sein" verknüpft ist. Finde ich recht enttäuschend (aber Aristoteles ist ja auch schon eine weile her). Warum? Weil der Begriff des "Seienden" bei ihm ein ganzes Heer von Objekten unseres Denkens umfasst, unter anderem auch "Denkobjekte" die rein geistiger Natur sind. Beispielsweise sind diese 3 Aussagen bei ihm gleich wahr:
  1. 1+1=2
  2. Dionysos trinkt gerne Wein
  3. Sphingen (Sphinxe?) sind Paarhufer



Warum ist das so? Naja, 1 ist ein Abstraktum, eine "Idee", denn 1 kann alles bedeuten: ein Apfel, ein Auto, eine Pizza. 1 als etwas "reales" kann höchstens die Ziffer 1 bedeuten, und wenn ich zwei mal die Ziffer 1 hinschreibe, dann steht da 11, und nicht 2. Genau wie "Dionysos" (vorausgesetzt, man unterstellt ihm keine physische Realität) ist "1" nur ein Gedanke. "1" ist aber ein weniger bestimmter Gedanke, denn "1" bedeutet "ein Objekt, ohne das festgelegt ist, was das genau ist" während man sich ein ziemlich genaues Bild von Dionysos machen kann. Aussagenlogisch ist Nummer 2 sogar sehr viel wahrer, denn:

Dionysos ist ein griechischer Gott
Griechische Götter trinken gerne Wein

=> Dionysos trinkt gerne Wein.

Wohingegen ich keinen einfachen Schluss angeben kann, das 1 und 1 "wirklich" zwei wäre (und nicht etwa 11). Ockhams Messer sagt aber, das eine einfache Erklärung eine gute Erklärung ist.

So, das wars zum Amüsement :)

Ach ja, noch ein "Bild des Tages" von Felicien Rops, seines Zeichens Freimaurer, Ordensträger der französischen Ehrenlegion und unmoralisches Schweinchen:

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By WirrLicht

Kohleradierungen sind kleinformatig am PC schlecht zu erkennen, weswegen ich mit dem GIMP das bild erst weichgezeichnet habe.danach folgt:
  1. filter-kanten finden-kanten
  2. und dann im ebenenmenu "überlagern"
Schon hat man ein Bild, auf dem man was erkennen kann, auch in niedriger Auflösung

Sonntag, 19. Oktober 2008

gefunden bei MM

Börsenmakler können nicht logisch denken
Studie identifiziert psychologische Aspekte der Finanzmarktkrise
Börsenmakler sind laut einer Studie Gießener Forscher kaum in der Lage, logisch zu denken. Wie die Psychologen bei einer Untersuchung mit 20 erfahrenen Börsenmaklern herausfanden, lassen sich die Börsianer vielmehr durch ihre frühere Erfahrung leiten. Es fällt ihnen demnach schwer, sich von nur vermeintlich richtigen Denkmustern zu lösen.


das ist ja mal ein resultat, auf das ich schon lange gewartet habe. nein, im ernst, mir erschienen die denkmuster unserer wirtschafter (allesamt, ob börse, banken oder politik) schon lange nicht mehr "logisch". und ich meine damit nicht "logisch" im sinne von "fehlerfrei" oder gar als gegensatz zu "moralischem" denken, ich unterstelle börsianern keinerlei moral. oder unfehlbarkeit. würde ich nie wagen, da moral zu vermuten.

bisher war ich der ernsten meinung, das die wirtschaft so ist, wie sie nunmal ist (profitorientiert, unmenschlich, amoralisch...) läge daran, das der börsianer an sich irgendwie nur "logisch" (im sinne von "rational") menschenleben in zahlen umrechnet und dann via optimierung (ob nun pareto oder sonstwie) und effizienzüberlegungen entscheidet.

das wäre ein armutszeugnis für die logik gewesen, wenn es so wäre, das sich vernunft dadurch zeigt, wie effizient man menschenmaterial zugrunde richten kann.

ich bin als alter logiker darüber elend froh, das man zumindest diesen börsenirrsinn nicht mit dem verwenden von logik erklären muss.

aber im ernst..... logisch denken ist doch garnicht so schwer. ich meine, viele 15-jährige sind zu logischem (sogar abstraktem! jawohl!) denken fähig. ich kenne da ein paar begabtere nachhilfeschüler von mir, welche das sogar ziemlich gut können. soll ich euch mal nachhilfe geben, liebe börsianer?

ach so.. MM ist der blog hier:

Senf

Dienstag, 8. Juli 2008

Zeit an und für sich

Ich bin in einem alten Philosophie - Schulbuch auf die Frage gestoßen:

„Was ist das Wesen der Zeit“

Das Wort Zeit bezeichnet im Alltag die vom menschlichen Bewusstsein wahrgenommene und scheinbar kontinuierlich fortschreitende Ordnung im Auftreten von Ereignissen. Das menschliche Empfinden von Zeit ist von ihrem Vergehen geprägt, einem Phänomen, das sich bisher einer naturwissenschaftlichen Beschreibung entzieht und als Fortschreiten der Gegenwart von der Vergangenheit kommend zur Zukunft hin wahrgenommen wird.

Das sagt Wikipedia. Ist das nun „wesentlich“?
Was bedeutet „kontinuierlich fortschreiten“ in diesem Fall?

Aber, ich mache mir erstmal eigene Gedanken.

Zum einen besteht „Zeit“ aus zwei Hälften:

Der „Vergangenheit“: Das ist der Bereich, den wir kennen, aber nicht manipulieren können.

Der „Zukunft“: Der Bereich, den wir manipulieren können, aber nicht kennen.

Insofern sind Vergangenheit und Zukunft praktisch gegenteile. Dazwischen, die Gegenwart, der „Augenblick“ ist das einzige, was für uns wirklich existiert - das, was gerade „da ist“. Wenn wir also das Eine nicht kontrollieren können, und das Andere nicht kennen, bleibt uns nur der „Moment“, das „hier und jetzt“ des Buddhismus oder des Tantra. Eine andere Möglichkeit ist die Erfahrung der „Zeitlosigkeit“ a la Eckhard, der ebenfalls analog die „Achtsamkeit“ predigt. Oder,das „Memento mori“ beziehungsweise das „Carpe diem“. Schon seltsam, das uns der Gedanke an den Tod dazu bringt, das Leben zu (be)achten. Sozusagen, epikureisch, wenn nicht gar hedonistisch zu werden.

Wir können uns also entweder „in den Moment stürzen“, oder versuchen, die Ewigkeit zu erfassen. Wieder landen wir in irrwitziger Spiritualität. Nun liegt es am Einzelnen, welchen Weg er wählt, den der Ewigkeit, den des Augenblicks. Methoden zu beiden Wegen gibt es wahrscheinlich Tausende.

Machen wir also einen Schritt zurück, versuchen wir „Zeit“ anders zu verstehen. Zum einen ist Zeit etwas, das kontinuierlich abzulaufen scheint: Wenn ich eine Kugel anstupse, kann ich von meiner Erfahrung her sagen, wann sie wo sein wird. Das kann ich daraus schließen, wo sie einmal war, und meistens treffe ich eine richtige Vorhersage. Die Zukunft ist also nicht völlig unbekannt. Wir können aus dem was „war“ schließen, was „sein wird“. Weil wir damit Erfahrungen gesammelt haben, und ähnliches (früher) mit ähnlichem (später) vergleichen. Wer also aus der Vergangenheit lernt, erhält Kontrolle über die Zukunft. Damit sind wir als Menschen schon sehr mächtig - wir können die Zukunft manipulieren, obwohl wir sie gar nicht kennen!

Schlussendlich gibt es nicht nur Kontinuität, sondern auch noch Periodizität. Auch spannend, eigentlich:

Wir kennen:

Die Vergangenheit - die schon verschwunden ist, aber aus der wir lernen können.
Und die Zukunft - die noch gar nicht da ist, aber von der wir eine grobe Idee haben.

Hier kommt uns ein eigentlich sehr mysteriöses Phänomen zu Hilfe: Eben das der Periodizität. Anscheinend wiederholen sich gewisse Abläufe, das Pendel einer Uhr, Sonnenaufgang, Sonnenuntergang, Jahreszeiten. Wir können also damit (mittels der Wiederholung) etwas messen, was eigentlich „schon weg“ und „noch nicht da“ ist, die Zeit nämlich. Und da sagt man, wiederholungen seien langweilig!

Anmerkung - Rest folgt, ist aber, weil zukünftig, noch unbekannt :)

Sonntag, 6. Juli 2008

immanenz, transzendenz

sind auch komplementäre, duale, nicht-polare begriffe.

als "immanenz" bezeichnet man, das etwas "innerhalb" bestimmter grenzen stattfindet, als "transzendenz" ein überschreiten dieser grenzen.

nehmen wir das größtmögliche ganze: die welt,die existenz, das "all". ein überschreiten der grenze dieses "ganzen" ist die "transzendenz", wie sie zum beispiel ein christlicher gott darstellt: gott ist nicht im "diesseits" sondern eigentlich im "jenseits", von meiner warte aus gesehen..... *bildchenmal....*

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katholische welt

demnach sind ich und der heilige geist (also, scheckina sozusagen) immanent, gott und das jenseits "transzendent", während jesus und die heiligen sozusagen eine brücke zwischen uns und der katholisch-jenseitigen welt darstellen.

so jedenfalls stelle ich mir das katholische weltbild vor, irrungen&wirrungen nicht ausgeschlossen.

in meiner vorstellung existiert jedoch kein "jenseits" im katholischen sinne: entweder etwas existiert, dann ists "diesseitig", oder es existiert nicht. also, entweder gibt es geister, dann sind sie existente geister und spuken in alten gemäuern, oder es gibt einfach keine.

das bedeutet nicht automatisch, das es keine sogenannten "spirituellen phänomene" oder nichts "göttliches" gäbe - nur gehört das göttliche, oder das spirituelle eben nicht in ein jenseits, sondern ist konkret-innerweltlich, dazugehörig. es gibt keine "grenze" zwischen "diesseits" und "jenseits", allerhöchstens in meiner vorstellung. ich bin im "hier&jetzt", so spirituell ich auch sein mag. und das "göttliche" ist auch im "hier und jetzt". deswegen ist ein übergangsphänomen (jesus mit den übergangsphänomenen unbefleckter empfängnis und aufstieg in den himmel) auch, in meinem weltbild, unnötig - dionysos, sofern existent, ist HIER. und wenn er nur in meinem kopf existiert, so existiert er HIER in meinem kopf.

aber, als alter agnostiker muss ich auch zugeben, das ich nicht weiss, ob es nicht vielleicht doch etwas "jenseitiges" gibt. nur offenbart es sich mir nicht als jenseitiges - was es ja auch nicht kann, den offenbarungen müssen ja "hier" stattfinden. eine marienerscheinung findet ja auch in lourdes statt.

außer ich lande im jenseits, und da steht dann jesus und sagt "hi, wirrlicht - das hättest du nicht gedacht, was?"

oder, um es mal esoterischer auszudrücken: eine art astralebene, geister, magie gehören, sofern existent, in meiner weltsicht nicht zum "jenseits" sondern zum "diesseits". sind "immanent", nicht "transzendent".

demnach hat der katholische glaube seine berechtigung daher, das zwischen mir und dem göttlichen eine art "grenze" verläuft, also diesseitiges von jenseitigem getrennt ist. wozu man nichts sagen kann - niemand ist je an eine nachweisbare grenze gestoßen, die grenze kann man beliebig festsetzen. wo, GENAU, ist die grenze zwischen meinem geist und meinem körper? gibt es eine?

postscriptum: dieser beitrag anwortet auf den hier, ist ausnahmsweise nur bedingt durchdacht, und mag daher fehlerhaft sein, vor allem, was mein verständnis eines katholischen gottes angeht. ausserdem stellt er meine persönliche sicht da, beansprucht also keinerlei allgemeingültigkeit, und vor allem möchte ich niemandem meine sicht der dinge aufdrücken - im gegenteil, ich fände es schön, wenn andere sich ihre eigenen gedanken zu transzendenz und immanenz machen würden.

ach ja - auch dazugehörig, irgendwie:

innen vs außen
silvia & pi

Mittwoch, 25. Juni 2008

Sein oder nicht- Sein, Hamlet, Logik und Sartre und die Kabbalah

Ich versuche gerade, Sartre zu verstehen, aber entweder ich bin blöd, oder Sartre.

Nun - da ich nicht im Descarte´schen Solipsismus gefangen bin, und Sartre im allgemeinen als schlau gilt, nehme ich an, ich bins, dem es an Verständnis mangelt. Falls also jemand gerade Sartre liest, mag er mich korrigieren:

Meiner Meinung nach ists so, das es zu jedem "Sein", sagen wir, das Sein von Hamlet, Prinz von Dänemark, eine ganze menge Zeug gibt, auf das nicht die Beschreibung genau Hamlet, Prinz von Dänemark zutrifft. Das nennen wir dann "nicht Hamlet, Prinz von Dänemark", also, die Nichtung Hamlets. Soweit, so gut. Sartre scheint mir da anderer Meinung zu sein, für ihn ist das "Nicht(s)" ein Phänomen, welches unabhängig vom Sein existiert. Also nicht das Komplement des "Seins", sondern.... ja, was eigentlich dann?

Mal ein Beispiel: Sartre erzählt eine Geschichte, in der der erwartete "Pierre" nicht in einem Cafe auftaucht. Also ist doch, denke ich, der nicht-Pierre auf Pierre bezogen, ein komplementärer Pierre. So wie Hamlet, wenn er tot ist, ja kein "Prinz Hamlet" mehr ist. Somit ist "Tot" hier die Eigenschaft, von der "Lebendig" das Komplement ist. Eine Negation einer Eigenschaft, so wie "kein Pierre" die Negation eines "anwesenden Pierre" ist.

Jedenfalls finde ich, das das so ist. Sartre versucht aber auf Teufel komm raus, das "Nicht" zu einem Phänomen zu machen, und dem "Nicht" somit - sozusagen durch die Hintertür - ein erkennbares Sein zuzuschreiben. Und damit dem "NIcht" etwas unterzuschieben, was über den Begriff der "Negation" in der Logik und Mengenlehre hinausgeht.

Ist sartre nun Kabbalist? Würde mich nicht wundern, auch in der Kabbalah gibt es, scheint mir, ein vom "Sein" - also den Emmanationen (Kether bis Malkuth) - unabhängiges "Nicht", das "Ain". das "Ain" ist nicht die Negation einer Eigenschaft (dafür sind die Klippoth zuständig) , sondern das, was die Existenz bedingt - wenn es "etwas" gibt, muss es auch das "ohne etwas" geben. Existiert Prinz Hamlet, ist auch die "abwesenheit" des Prinzen möglich.

Auch die Kabbalah sieht wie Sartre das "ohne etwas", also, "nicht lebendiger Hamlet" als ziemlich grenzenlos an. Ist ja irgendwie klar, denn es gibt ziemlich viel, was nicht der "lebendige Hamlet" ist. So ziemlich alles außer der dem lebendigen Hamlet, beispielsweise . Hamlet entzieht sich nun der existentiellen Frage "Leben oder Tod", in dem er einen Schrödinger-esquen Zwischenzustand, den des Wahnsinns, einnimmt, er also gewissermaßen das "Nicht" überlistet.

(clever eigentlich, wo doch auch die nobelpreise in dänemark verliehen werden)

Was ist nun der irre Däne? Nun, zumindest kein Prinz mehr, und hier findet die Nichtung statt. Nicht-Prinz eben.
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Ophelia nahm da die Nichtung anders vor - sie entzieht sich einfach der Existenz. Naja, eigentlich wird sie erst wahnsinnig, und entzieht sich dann - eine tote Schrödinger-Katze, sozusagen.



Ach ja - was ist eigentlich aus den ganzen Katzen geworden? Ein Quantenzustand ist ja weder existent noch sein Gegenteil, solange Nicht als Phänomen vorhanden. Was wohl Sartre dazu sagen würde?

naja, es gibt immer noch mehr zwischen himmel und erde....

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Freitag, 16. Mai 2008

wie nennt man sowas, wenn sich etwas selbst ausschließt

Mit dieser Anfrage ist wohl jemand auf meinem Blog gelandet. Find ich gut! Das ist mal eine Frage, die erörtert gehört.

Die Lösung heißt:

Paradoxon.

also, eigentlich genauer:

Antinomie.

Schöne Paradoxien, finde ich, sind die Aussagen:

"Dieser Satz ist falsch" oder "Ich lüge immer", aber es gibt auch relativ billige Paradoxien, wie "ein grünes Rot" oder "eine schöne Hässlichkeit".

Ein wichtiges Paradox ist die Allmächtigkeit:

"Wenn Gott allmächtig ist, kann er einen Stein erschaffen, den Er selbst nicht heben kann?" somit ist die Aussage "allmächtig" eigentlich an sich Unsinn. Diese Art von Paradoxien sind "Antinomien"

Auch schön, wenn auch nicht "Selbst ausschließend" - also keine "Antinomie" - ist das Curry-Paradox, welches nichts mit Indien zu tun hat, sondern damit, das es vielleicht Dinge gibt, die es nicht gibt:

"Wenn dieser Satz wahr ist, gibt es Elfen"

Nehmen wir an, der Satz sei wahr, und es gibt Elfen. Daraus folgt, der Satz ist wahr, und es gibt Elfen. Somit haben wir bewiesen, das es Elfen gibt.

Wenn der Satz allerdings falsch ist, macht das den Elfen nichts aus.

Somit lässt sich über eine solche Aussage so ziemlich alles beweisen. Naja, ok, sofern eine Sprache die Möglichkeit hat, solch unsinnige Sätze zu konstruieren.

Dummerweise hat der Mathematiker Gödel bewiesen, das in einigermaßen komplexen Sprachen (also, beispielsweise, der Mathematik) solcher quatsch immer irgendwie konstruierbar ist. Viel einfacher als

"Wenn X wahr ist, folgt Y" ist dasselbe wie "X"

kann eine Logik ja kaum aufgebaut sein, somit gibt es immer ein Paradox. die Menschheit hat also immer irgendwas, worüber sie nachdenken kann, obwohl es ziemlich viele Gedanken gibt, die zu Paradoxien wie Allmächtigkeit führen.

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